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Religiolexikon

Fundamentalismus

GND-Nummer

4137178-1

Oberbegriff
Synonyme
  • Religiöser Fundamentalismus
  • Religion / Fundamentalismus
Verwandte Begriffe
Kurztext

Werden die Grundlagen einer Weltanschauung, Religion, Politik oder eines sonstigen Gedankengebädes als absolut wahr und uneingeschränkt gültig angesehen, spricht man von Fundamentalismus. Jede Begrenzung oder Relativierung dieses Fundaments wird abgelehnt, oft auch bekämpft. Fundamente können heilige Schriften, politische Weltanschauungen oder auch gesellschaftliche Werte sein.

Haupttext

Historisch gesehen, taucht der Begriff Fundamentalismus Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika auf. In der Zeitschriftenreihe The fundamentals. A testimony of truth. wandten sich Protestanten gegen den Einfluss naturwissenschaftlichen Denkens in die Religion. Der Streit entzündete sich an der Wertung der Darwinschen Evolutionstheorie durch die Gemeindetheologie, indem man ihr die biblische Schöpfungsgeschichte als absolut offenbarte Wahrheit gegenüberstellte. Damit wurden Naturwissenschaft und Glaube als sich einander ausschließende und unvereinbare Fachgebiete verstanden. Aus diesem feindlichen Gegensatz entwickelte sich dann im 20. Jahrhundert der Kreationismus.

Fundamentalismus lässt sich in allen Religionen der Menschheit nachweisen. Er stellt den untauglichen Versuch dar, komplizierte religiöse, philosophische und wissenschaftliche Gedankenkonstruktionen einfach im Sinne einer schwarz-weiß-Lösung zu erklären.

Zusammenfassung

Fundamentalistische Denkweise versucht, komplizierte Zusammenhänge durch ein einfaches schwarz-weiß-Schema zu erklären. Diese Vereinfachung birgt in sich die Gefahr, dass wenig gebildete Personen für machtpolitische Zwecke fanatisiert werden können. Es scheint einen Zusammenhang zwischen Volksbildung und Fundamentalismus zu geben: Je geringer der Bildungsstand in einer Population ist, desto anfälliger ist diese für fundamentalistisches Gedankengut.

Bibliographie

Deutsche Nationalbibliothek

Index Theologicus

The British Library

The Library of Congress

Quellenlinks
Link zu Wikipedia
Autoren Winfried Müller
Geändert 06.02.2019