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Religiolexikon

Christian Science

GND-Nummer

4147928-2

Oberbegriff
Synonyme
  • Christliche Wissenschaft
  • CS
  • Kirche Christi, Wissenschafter
  • Church of Christ (Scientist)
  • Christian Scientists Association
Verwandte Begriffe
Kurztext

"Christian Science (deutsch: Christliche Wissenschaft) ist der Name der von Mary Baker Eddy (1821–1910) nach 1866 entwickelten Lehre, die sie in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift formulierte und 1875 erstmals veröffentlichte." (Wikipedia [Stand: 10. 06. 2015])

Haupttext

Mary Baker Eddy wurde am 16. Juli 1821 in Bow (New Hampshire) als sechstes Kind des Farmers Mark Baker geboren. Sie wurde im Sinne des amerikanischen Kongregationalismus christlich erzogen. Schon als Mädchen machte sie durch Auditionen übernatürliche Erfahrungen.

Nach einem Unfall 1866 verletzte sie sich so schwer, dass sie meinte, sterbenskrank zu sein. In dieser Situation las sie die Geschichte von der Heilung des Gelähmten  (Mt 9) und bezog den Vers 6 ("Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim!") auf sich, stand vom Krankenbett auf und ward gesund. Mary Baker schrieb später darüber: »GOTT hatte mich während vieler Jahre gnädig vorbereitet, diese endgültige Offenbarung des absoluten göttlichen PRINZIPS des wissenschaftlichen mentalen Heilens zu empfangen.« (Wissenschaft, 107:4)

Dieses Erlebnis war ihre Offenbarung und die Grundlage ihrer späteren Heilungstätigkeit. Nach Eddy ist die ganze materielle Welt, einschließlich ihrer Körperlichkeit, Sünde, Krankheit und Tod unwirklich und haben nur illusorischen Charakter. Im Lichte des Christus werden sie als Täuschung oder Traum erkannt. Sie sammelte Anhänger um sich und wurde zur Gründerin einer religiösen Heilungsbewegung.

"Die »Glaubenssätze von Christian Science« nehmen etwa die Stelle eines für alle Christlichen Wissenschafter verbindlichen Glaubenbekenntnisses ein. Diese Glaubenssätze lauten:

»1. Als Anhänger der WAHRHEIT nehmen wir das inspirierte Wort der Bibel als unseren geeigneten Führer zum ewigen LEBEN. 2. Wir bekennen und verehren einen allerhabenen und unendlichen GOTT. Wir bekennen uns zu Seinem Sohn, einem Christus; zum Heiligen Geist oder göttlichen Tröster; und zum Menschen als GOTTES Bild und Gleichnis. 3. Wir bekennen uns zu GOTTES Vergebung der Sünde in der Zerstörung der Sünde und in dem geistigen Verständnis, das das Böse als unwirklich austreibt. Doch der Glaube an Sünde wird solange bestraft, wie der Glaube besteht. 4. Wir bekennen uns zu Jesu Versöhnung als Beweis der göttlichen, wirksamen LIEBE, die die Einheit des Menschen mit GOTT durch Christus Jesus, den Wegweiser, entfaltet; und wir bekennen, dass der Mensch durch Christus, durch WAHRHEIT, LEBEN und LIEBE, erlöst wird, wie es der galiläische Prophet im Heilen der Kranken und im Überwinden von Sünde und Tod demonstrierte. 5. Wir bekennen, dass die Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung dazu dienten, den Glauben zum Verständnis des ewigen LEBENS zu erheben, zur Allheit der SEELE, des GEISTES, und zum Nichtsein der Materie. 6. Und wir geloben feierlich, anderen zu tun, wie wir wollen, dass sie uns tun sollen; und barmherzig, gerecht und rein zu sein.«

Nach G. Mahr ist »die Christliche Wissenschaft von der Sehnsucht nach Erlösung her zu begreifen; ihre ganze Dogmatik wie ihre Praxis steht im Dienste des Erlösungsgedankens« (RGG I, 2. Aufl., Sp. 1378). Und zwar handelt es sich hier um praktische Erlösung von gegenwärtigem Leid und Übel. Bei ihrer Argumentation geht Eddy vom Gottesbegriff aus: Gott ist Geist; Mensch und Schöpfung spiegeln den Geist Gottes wider. Auch sie sind in Wahrheit geistig und gut. Die Materie und alles Übel (evil) - Sünde, Krankheit und Tod - sind letztlich Unwirklichkeiten. Dazu schreibt Eddy: ». . . die einzige Wirklichkeit von Sünde, Krankheit und Tod [ist] die schreckliche Tatsache, dass dem menschlichen, irrenden Glauben Unwirklichkeiten wirklich erscheinen, bis GOTT ihnen ihre Tarnung herunterreißt. Sie sind nicht wahr, denn sie sind nicht von GOTT.« (Wissenschaft, 472)" (Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, S. 288)

Zusammenfassung

Dass körperliche Heilung letzlich nur eine Frage des Glaubens und der bedingungslosen Überzeugung sei, ist aus medizinischer Sicht nicht haltbar. Es ist zwar unbestritten, dass der Wille gesund zu werden, beim Heilungsprozess eine wichtige Rolle spielt, aber ihn zum alleinigen Kriterium zu machen ist nicht sachgerecht. Hinzu kommt, dass dem Kranken, wenn die "Methode" der Christlichen Wissenschaft versagt, ihm die Schuld für das Versagen zugeschrieben wird: Er hat eben nicht fest genug an den Erfolg geglaubt!

Solche Heilungsansätze spielen seit dem besonders im esoterischen und alternativmedizinischen Kontext immer wieder eine Rolle (Vgl. Positives Denken).

Bibliographie

Deutsche Nationalbibliothek

Index Theologicus

Link zu Wikipedia
Autoren Winfried Müller
Geändert 16.08.2018