Start / Religiolexikon / C / Ch'i

Religiolexikon

Ch'i

GND-Nummer

4147653-0

Oberbegriff
Synonyme
  • Ki
  • Qi
  • Chi
Verwandte Begriffe
Kurztext

Der chinesische Begriff Ch'i (chin.) oder gleichbedeutend Qì , in Japan als Ki und in Korea als Gi bekannt, bedeutet Energie, Atem oder Fluidum, kann aber wörtlich übersetzt auch Luft, Dampf, Hauch, Äther sowie Temperament, Kraft oder Atmosphäre bedeuten. Außerdem bezeichnet Qì die Emotionen des Menschen und nach moderner daoistischer Auffassung steht es auch für die Tätigkeit des neurohormonalen Systems. Der Begriff ist ein wichtiger Begriff des Taoismus und der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM).

Haupttext

Nach chinesischer Vorstellung zirkuliert das Ch'i auf bestimmten Bahnen (Meridianen) im menschlichen Körper. Die Mediziner der TCM erklärten viele internistische Erkrankungen mit einer Störung der Zirkulation des Ch'i. Wenn das Ch'i ohne Beeinträchtigung im Körper fließt, ist nach chinesischer Ansicht der Mensch gesund. Hinter der Meridianvorstellung seht die Erkenntnis, dass der Mensch komplett mit einem Nervengeflecht überzogen ist, welches die Kommunikation der Organe untereinander steuert. Schon früh wusste man diesen Zusammenhang medizinisch zu nutzen indem man durch Stimulation bestimmter Nerven oder Nervenknotenpunkte (Triggerpunkte) organische Blockaden und Schmerzen beseitigen konnte. Die Akupunktur und Akupressur beruhen auf diesem Schema.    

Ch'i ist ein zentraler Begriff des Taoismus. Die älteste Erwähnung des Begriffes wird dem daoistischen Philosophen Zhuangzi zugeschrieben, der den Kosmos aus  Ch'i bestehend beschrieb. Darüber hinaus ist die Vorstellung vom Ch'i die ideelle Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin.

Zusammenfassung

Hinter der Vorstellung des Ch'i steht die Jahrtausende alte medizinische Erkenntnis der chinesischen Mediziner, dass es einen Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Prozessen gibt. Auch die moderne wissenschaftliche Medizin kennt diesen Zusammenhang: Seelische Erkrankungen wirken sich auf den Körper aus und körperliche Erkrankungen führen zu Belastungen der Psyche. In der modernen Physiotherapie werden die Triggerpunkte besonders in der manuellen Medizin als Ausgangspunkt einer gezielten Behandlung eingesetzt.

Die Vorstellung vom Ch'i prägt bis heute das Weltverständnis vieler Menschen in Asien und zunehmend auch im Westen und hat Bedeutung für verschiedene Religionen. In abgewandelter Form fand das mit dem Begriff verbundene Konzept Eingang in westliches Denken, insbesondere als Bestandteil esoterischer Heilungskonzepte der alternativen Medizin  oder des Reiki.

Bibliographie

Deutsche Nationalbibliothek

Index Theologicus

Quellenlinks
Link zu Wikipedia
Autoren Winfried Müller
Geändert 02.08.2018